Archiv der Kategorie: Touren

700 Meilen westwärts: Die Aachener Strasse

Es gibt Tage, deren Gesichtsfarbe auch mittags nicht über ein trübes grau hinauskommt. So ist es auch mit diesem Heiligabend. Macht nichts, so habe ich die Stadt wenigstens mehr oder weniger für mich allein. Ich verlasse die U-Bahn und finde mich in einem Müllhaufen namens Rudolfplatz wieder – unschöner Nebeneffekt des gefühlten Dutzends Weihnachtsmärkte in der Kölner Innenstadt.

KölschtrinkerProst: In aller Öffentlichkeit gießt sich das orangene Reissdorf-Männchen an dieser Hausfassade ein Kölsch hinter die Binde. Bei Dunkelheit dokumentieren zahlreiche Leuchtstoffröhren den aktuellen Füllstand.
PferdDa steht ein Pferd: Gleich neben dem Volkstheater Millowitsch versorgt ein angesagter Innenausstatter seine mondäne Kundschaft mit dem Allernotwendigsten für ein stilsicher eingerichtetes Heim.

H0HaNull: Akkurat eingefasste Bahngleise, eingebettet in  sorgsam gemähte Rasenflächen sorgen am Ostende des Aachener Weihers für ein KVB-Feeling der besonderen Art. Steht, so scheints,  wohl sonst nichts weiter an…
KannenIn Reih und Glied: Zeitgemäße Grabpflege ist nicht mehr notwendigerweise mit dem mühsamen Verstecken einer Gießkanne hinter dem Grabstein verbunden, wie wir es noch von der Oma kannten. 

Rhein EnergieRheinEnergie: Das moderne  Stadion mit seinem beeindruckenden Entrée vermittelt dem Besucher die glasklare Botschaft: der 1.FC Köln bleibt als einer von wenigen Fussballvereinen auch in der zweiten Liga stets erstklassig!
My Deer My Deer: In Lindenthal sagen sich Fuchs und Hase nicht nur sprichwörtlich gute Nacht. Dank des Wildparks im Stadtwald gibt es für die lieben Kleinen kostenlosen Anschauungsunterricht in Sachen Natur.

Fazit: Innerhalb von nur wenigen Kilometer gelangt man auf der Aachener Strasse vom Stadtzentrum in den Grüngürtel. Ist am Aachener Weiher zumindest im Sommer der Bär der Kette, lässt man es in Lindenthal und Junkersdorf – dem Alter der Bewohner entsprechend – deutlich ruhiger angehen.

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Mikrokosmos: Ehrenfeld entlang der Venloer Strasse

Ehrenfeld als einen Stadtteil mit vielen Gesichtern zu beschreiben wäre glatte Untertreibung. Zwischen Äußerer und Innerer Kanalstraße findet sich, von Dom und Rhein mal abgesehen, so ziemlich alles, was Köln als Stadt ausmacht. Ich will das Viertel  stadteinwärts erkunden und beginne meinen Trip an einer Kapelle.

RochuskapelleZuflucht: Die Rochuskapelle in direkter Nachbarschaft eines der größten Wohnhäuser Kölns, ist ein Ort der Einkehr und Andacht geblieben. Bemerkenswert in einem Umfeld, das zu den sozialen Brennpunkten Kölns zählt.
Blau-Gold-TurmAlaaf: Wie viele historische Gebäude in Köln wird auch der ehemalige VDM-Wasserturm im Leo-Amann-Park von einer Karnevalsgesellschaft (der Bürgergarde „blau-gold“ von 1904 e.V.) als Domizil genutzt.
Graffiti 2
I have a dream:
Wer die Augen aufhält, kann vor allen entlang des Bahndamms jede Menge Graffitis mit lesenswerten Botschaften entdecken. Merke: echter Vandalismus macht auch vor artifiziellem Vandalismus nicht halt!
Heliosturm 2An der Nord-see-küste: Ein ausgewachsener Leuchtturm mitten in Köln? Keine Hallu, sondern der ehemalige Leuchtmittel-Testturm der Firma Helios. Kleiner Tipp für Köln-Newbies: wo er steht, ist die Party nicht weit!
Zentralmoschee 1Prägend: Die Zentralmoschee an der Inneren Kanalstraße ist ein markanter Bezugspunkt in Ehrenfelds Skyline. Zunächst umstritten, hoffen alle Beteiligten heute vor allem auf die baldige Fertigstellung des eindrucksvollen Sakralbaus.
Colonius 3Einen ham‘ wer noch: Von den zahlreichen Ehrenfelder Türmen ist Fernsehturm „Colonius“ der mit Abstand höchste. Übrigens auch höher als der D-dorfer Fernsehturm. Manko: seit 1994 kommt man nicht mehr rauf!

Fazit: „All you can eat“ gilt in Ehrenfeld nicht nur in kulinarischer Hinsicht. Spießbürger und Nerds, Katholiken und Muslime – es scheint, als können in Ehrenfeld alle und alles friedlich nebeneinander koexistieren. Der sprichwörtliche Preis für’s Hip-sein wurde in den letzten Jahren allerdings immer höher: Für Normalverdiener ist Ehrenfeld als Wohnort unerschwinglich geworden.

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Bäume und Blech: vom Unicenter zum Klettenbergpark

Es ist ein ungewöhnlich sonniger und milder 1. November, und ich sitze in der Bahn Richtung Ehrenfeld. Eine Kamera und einige  brauchbare Motivideen habe ich im Gepäck. Was fehlt, ist mein KVB-Monatsticket. Um in der Folge möglichen Kalamitäten aus dem Weg zu gehen, steige ich aus und widme meine Aufmerksamkeit und diesen Beitrag spontan dem an der Strecke liegenden Klettenberg.

P1010317ASky blue: Das Uni-Center an der Luxemburger Straße legt einen mächtigen Schatten auf die umliegenden Stadtteile. Kaum zu glauben, dass es in direkter Nachbarschaft ein echtes Wasserschloss zu bestaunen gibt.
P1010322AKontrast: Eingebettet in eine veritable Grünanlage bildet das in privatem Besitz befindliche Weisshaus den Gegenpol zum Betonberg auf der anderen Straßenseite. Leider ist das Anwesen nicht öffentlich zugänglich.
P1010336ATin Lizzy: In Ermangelung intelligenterer Lösungen werden Kölns schönste Alleen oberirdisch mit mehr oder weniger hochwertigem Blech zugestellt,  wobei der Charme des Viertels letztlich auf der Strecke bleibt.
P1010347AGrünanlage: Kleingärten bestimmen das Bild beiderseits der Bahntrasse, die Zollstock von  Klettenberg trennt. Wer hier einmal Essbares ernten möchte, sollte sich rechtzeitig in die Warteliste eintragen.P1010381A
Na bitte: 
Parken geht doch auch anders! Diese „Göttin“ hat ihre letzte Ruhestätte in der Einfahrt eines Reihenhauses gefunden.  Vielleicht radeln die Besitzer der französischen  Diva ja lieber…P1010390A
Ziemlich idyllisch:
Aufgeräumt und mit frisch biotopisiertem Gewässer ist der kleine, aber feine Klettenbergpark Zeuge  einer Idee Vorstädtischen Wohnens und -Lebens zu Anfang des 20. Jahrhunderts.

Fazit:
Klettenberg, gelegen zwischen der Familienpackung Sülz und dem eher bodenständigen Zollstock, reflektiert vor allem aufgrund seines alten und gepflegten Bau(m)bestandes die Wohlsituiertheit seiner Bewohner. Damit das Ganze  im Auge des Betrachters nicht allzu überheblich wirkt, sorgen tausende Blechkarossen für einen  ungewollten, aber effektiven Verdeckungseffekt.

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Kölle Reloaded: Der neue Rheinauhafen

Über 15 Jahre hat der Umbau des zum Schluss nicht mehr genutzten Rheinauhafens zu Kölns neuem Wahrzeichen am Strom gedauert. Und das Warten hat sich gelohnt: Nirgendwo sonst ist Köln stilsicherer, und im ästhetischen Sinne schöner (Sorry, andere Viertel, ich mache es wieder gut!) als hier.

IMG_9500Kranhaus: Ähnlich wie im Duisburger Innenhafen wurde ein Teil der alten Hardware auf dem Gelände belassen, und trägt so zum Erhalt einer gewissen „maritimen Restatmosphäre“ bei.IMG_9447

Die armen Kleinen: Edelstahl und Stromlinienform, nichts scheint für die Spielplätze hinter der Zeile des alten Siebengebirges zu teuer gewesen zu sein. Solange man nicht darauf spielen muss…IMG_9454

WTF is Hamburg:  Eine gewisse Ähnlichkeit zu Kölns eleganter Schwester an der Elbe ist wohl nicht ganz zufällig, stammen die Kranhäuser doch aus der Feder des Hamburger Stararchitekten Hadi Teherani. IMG_9471

Volles Programm: Neben der nahen Rheinuferstraße sorgen Güterzuge auf der Südbrücke und eine wachsende Zahl von Frachtschiffen für eine 24h Dauerberieselung der solventen Loftbewohner.IMG_9479

Anspruchsdenken: Wer den Turm hat, hat die Macht. So (oder so ähnlich) steht es auf der Messingtafel am Eingang des Bayenturms, der heute die Stiftung FrauenMediaTurm beherbergt. IMG_9518
In the Ghetto:
Vor allem das dritte (Wohn-) Kranhaus wirkt mit seiner engzeiligen Parzellierung nicht aus jedem Blickwinkel vorteilhaft. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Nachbarn nett sind.


Fazit:
Der Bebauungsmix  auf dem Areal des ehemaligen Rheinauhafens ist mit seinem stimmigen Konzept etwas Einmaliges in Köln. Ob das neue Viertel jemals zu einem Veedel wird, muss die Zukunft zeigen. Bis dahin erfreuen sich Kölner und Imis über ein wenig Aufgeräumtheit inmitten des innerstädtischen Chaos.

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Südstadt, verzäll‘ nix: Rund um den Chlodwigplatz

Die baulichen Aktivitäten im Schatten der Severinskirche konnten einem Südstädter Jung wie mir in der Vergangenheit bisweilen den Schlaf rauben. Immerhin scheint sich die Situation jetzt zu entspannen, und nach zwischenzeitlichen Tiefschlaf blinzelt dem Besucher ein hübsches, wenn auch noch nicht ganz ausgeschlafenes Dornröschen entgegen.

P1010259Alles beim Alten: Glücklicherweise hat der Volksgarten den Boom der letzten Jahre unbeschadet überstanden. Von der Größe her überschaubar, ist er Ruhepol des ansonsten wuseligen Veedels.P1010266
Knast mit Kirche? Kurios, wie massiv sich das Berufskolleg Südstadt am Eingang Wormser Straße von der Nachbarschaft abschottet. Der nahe Turm des Wasserwerks am Zugweg bietet hierzu einen erfreulichen Kontrast.
P1010287Verfallender Verfall: Nur ein paar heruntergekommene Museumsstücke erinnern noch an die Schokoladenfabrik Stollwerck – in den frühen 80er Jahren Schauplatz der größten Hausbesetzung Kölns.
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Drink doch ene met: In der Annostraße befinden sich, wenn auch gut getarnt, einige nicht-hippe Kneipen, die der vom Aussterben bedrohten, Kölsch sprechenden Urbevölkerung Unterschlupf gewähren.
P1010297Giganten: Aus Richtung Mechtildisstraße betrachtet wirken die Kranhäuser am Rheinauhafen isoliert. Leider bildet auch die quer davor verlaufende Rheinuferstraße eine Trennlinie zwischen Südstadt und Neubebauung.
P1010302Kein Anschluss: Bedingt durch den Einsturz des Stadtarchivs liegen die Bauarbeiten an der Nord-Süd-Stadtbahn brach. Die bereits fertig gestellten Haltestellen gammeln in der Zwischenzeit vor sich hin und ergeben ein trostloses Bild.

Fazit: Auch wenn die Wunden des Stadtbahn-Baus noch nicht ganz verheilt sind: Die Südstadt ist aus dem Gröbsten raus! Mein nächster Blogbeitrag wird sich dem neu entstandenen Wohn- und Geschäftsviertel auf dem Gelände des ehemaligen Rheinauhafens widmen.

Alle Fotos stammen vom Autor