Alle Beiträge von Michael Buchholz

Schlagseite: Karneval im Kwartier Latäng

Rosenmontag, 08:30h. Die Linie 18 befördert mich Richtung Südstadt. An der Haltestelle Barbarossaplatz schweift mein Blick für einen Moment nach links. Kurz darauf zieht mich ein unsichtbarer Magnet aus dem Schienenfahrzeug, und verhindert so in letzter Minute ein wohlwollendes Eintauchen ins närrische Treiben.

what countsAlles, was zählt: Viele Läden im Veedel werden an den tollen Tagen zum Schutz vor allzu guter Laune verrammelt.  Die wahren Werte befinden sich nach Aussage dieses Inhabers ohnehin im Inneren.

this is war 2Orgien, Orgien: Die Zülpicher Straße gleicht in den Morgenstunden als Folge exzessiver Brauchtumspflege einer Müllhalde. Dank AWB ist vor Eintreffen der ersten Jecken  der Ausgangszustand jedoch wiederhergestellt.
prinzSkeptisch: Selbst der Berufs-kölsche Jung Prinz Poldi höchstpersönlich scheint das  karnevalistische Treiben mit gemischten Gefühlen zu betrachten. Oder gilt der missmutige  Blick am Ende der Heimbilanz „seines“ 1.FC?
blue shellHier werden Sie geholfen: Kaum anzunehmen, dass es im Kwartier über Karneval zu echten Mangelerscheinungen in Sachen Alkohol kommt. Falls doch, bietet das Blue Shell seit Jahren ebenso diskret wie bewährt  seine Hilfe an.
behind the lines Joachim Gauck (virtuell): „[…] müssen wir mit Erschütterung zur Kenntnis nehmen, dass in diesen Tagen nicht nur der Zülpicher Platz, sondern das gesamte Viertel rund um die Herz-Jesu Kirche seiner Würde beraubt wurde.“
zufallZufall? Rechtzeitig zum Fest hält der Bayer-Konzern das passende Gegenmittel zu Überdosen von Kölsch und Tequila Slammer bereit.  Die neue Rezeptur ermöglicht unmittelbares Wiedereintreten in die Erdatmosphäre.

Fazit: „Nä, nä dat wesse mer nit mih, janz bestemp nit mih“
Wer einmal kölschen Karneval zwischen Zülpicher und Kyffhäuser Straße er- beziehungsweise überlebt hat, kann sich seinen eigenen Reim auf Filmrisse dieser Art machen. Gott sei Dank ist am Aschermittwoch alles vorbei – wirklich alles?

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Appell: Geduld, es geht bald weiter!

Lieber Leser meines pädagogisch wertvollen Premium-Blogs,
Der Autor ist weder verschollen noch ernsthaft erkrankt. Bei der derzeitigen Blog-Pause handelt es sich vielmehr um eine – sagen wir mal – wetterbedingte Auszeit. Aber: Fastelovend und Sonne sind in Sicht, und so werde ich spätestens am kommenden WE wieder in See stechen! Bis dahin bitte ich Dich:

Appell

Bis bald, Michael

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700 Meilen westwärts: Die Aachener Strasse

Es gibt Tage, deren Gesichtsfarbe auch mittags nicht über ein trübes grau hinauskommt. So ist es auch mit diesem Heiligabend. Macht nichts, so habe ich die Stadt wenigstens mehr oder weniger für mich allein. Ich verlasse die U-Bahn und finde mich in einem Müllhaufen namens Rudolfplatz wieder – unschöner Nebeneffekt des gefühlten Dutzends Weihnachtsmärkte in der Kölner Innenstadt.

KölschtrinkerProst: In aller Öffentlichkeit gießt sich das orangene Reissdorf-Männchen an dieser Hausfassade ein Kölsch hinter die Binde. Bei Dunkelheit dokumentieren zahlreiche Leuchtstoffröhren den aktuellen Füllstand.
PferdDa steht ein Pferd: Gleich neben dem Volkstheater Millowitsch versorgt ein angesagter Innenausstatter seine mondäne Kundschaft mit dem Allernotwendigsten für ein stilsicher eingerichtetes Heim.

H0HaNull: Akkurat eingefasste Bahngleise, eingebettet in  sorgsam gemähte Rasenflächen sorgen am Ostende des Aachener Weihers für ein KVB-Feeling der besonderen Art. Steht, so scheints,  wohl sonst nichts weiter an…
KannenIn Reih und Glied: Zeitgemäße Grabpflege ist nicht mehr notwendigerweise mit dem mühsamen Verstecken einer Gießkanne hinter dem Grabstein verbunden, wie wir es noch von der Oma kannten. 

Rhein EnergieRheinEnergie: Das moderne  Stadion mit seinem beeindruckenden Entrée vermittelt dem Besucher die glasklare Botschaft: der 1.FC Köln bleibt als einer von wenigen Fussballvereinen auch in der zweiten Liga stets erstklassig!
My Deer My Deer: In Lindenthal sagen sich Fuchs und Hase nicht nur sprichwörtlich gute Nacht. Dank des Wildparks im Stadtwald gibt es für die lieben Kleinen kostenlosen Anschauungsunterricht in Sachen Natur.

Fazit: Innerhalb von nur wenigen Kilometer gelangt man auf der Aachener Strasse vom Stadtzentrum in den Grüngürtel. Ist am Aachener Weiher zumindest im Sommer der Bär der Kette, lässt man es in Lindenthal und Junkersdorf – dem Alter der Bewohner entsprechend – deutlich ruhiger angehen.

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Mikrokosmos: Ehrenfeld entlang der Venloer Strasse

Ehrenfeld als einen Stadtteil mit vielen Gesichtern zu beschreiben wäre glatte Untertreibung. Zwischen Äußerer und Innerer Kanalstraße findet sich, von Dom und Rhein mal abgesehen, so ziemlich alles, was Köln als Stadt ausmacht. Ich will das Viertel  stadteinwärts erkunden und beginne meinen Trip an einer Kapelle.

RochuskapelleZuflucht: Die Rochuskapelle in direkter Nachbarschaft eines der größten Wohnhäuser Kölns, ist ein Ort der Einkehr und Andacht geblieben. Bemerkenswert in einem Umfeld, das zu den sozialen Brennpunkten Kölns zählt.
Blau-Gold-TurmAlaaf: Wie viele historische Gebäude in Köln wird auch der ehemalige VDM-Wasserturm im Leo-Amann-Park von einer Karnevalsgesellschaft (der Bürgergarde „blau-gold“ von 1904 e.V.) als Domizil genutzt.
Graffiti 2
I have a dream:
Wer die Augen aufhält, kann vor allen entlang des Bahndamms jede Menge Graffitis mit lesenswerten Botschaften entdecken. Merke: echter Vandalismus macht auch vor artifiziellem Vandalismus nicht halt!
Heliosturm 2An der Nord-see-küste: Ein ausgewachsener Leuchtturm mitten in Köln? Keine Hallu, sondern der ehemalige Leuchtmittel-Testturm der Firma Helios. Kleiner Tipp für Köln-Newbies: wo er steht, ist die Party nicht weit!
Zentralmoschee 1Prägend: Die Zentralmoschee an der Inneren Kanalstraße ist ein markanter Bezugspunkt in Ehrenfelds Skyline. Zunächst umstritten, hoffen alle Beteiligten heute vor allem auf die baldige Fertigstellung des eindrucksvollen Sakralbaus.
Colonius 3Einen ham‘ wer noch: Von den zahlreichen Ehrenfelder Türmen ist Fernsehturm „Colonius“ der mit Abstand höchste. Übrigens auch höher als der D-dorfer Fernsehturm. Manko: seit 1994 kommt man nicht mehr rauf!

Fazit: „All you can eat“ gilt in Ehrenfeld nicht nur in kulinarischer Hinsicht. Spießbürger und Nerds, Katholiken und Muslime – es scheint, als können in Ehrenfeld alle und alles friedlich nebeneinander koexistieren. Der sprichwörtliche Preis für’s Hip-sein wurde in den letzten Jahren allerdings immer höher: Für Normalverdiener ist Ehrenfeld als Wohnort unerschwinglich geworden.

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