Mikrokosmos: Ehrenfeld entlang der Venloer Strasse

Ehrenfeld als einen Stadtteil mit vielen Gesichtern zu beschreiben wäre glatte Untertreibung. Zwischen Äußerer und Innerer Kanalstraße findet sich, von Dom und Rhein mal abgesehen, so ziemlich alles, was Köln als Stadt ausmacht. Ich will das Viertel  stadteinwärts erkunden und beginne meinen Trip an einer Kapelle.

RochuskapelleZuflucht: Die Rochuskapelle in direkter Nachbarschaft eines der größten Wohnhäuser Kölns, ist ein Ort der Einkehr und Andacht geblieben. Bemerkenswert in einem Umfeld, das zu den sozialen Brennpunkten Kölns zählt.
Blau-Gold-TurmAlaaf: Wie viele historische Gebäude in Köln wird auch der ehemalige VDM-Wasserturm im Leo-Amann-Park von einer Karnevalsgesellschaft (der Bürgergarde „blau-gold“ von 1904 e.V.) als Domizil genutzt.
Graffiti 2
I have a dream:
Wer die Augen aufhält, kann vor allen entlang des Bahndamms jede Menge Graffitis mit lesenswerten Botschaften entdecken. Merke: echter Vandalismus macht auch vor artifiziellem Vandalismus nicht halt!
Heliosturm 2An der Nord-see-küste: Ein ausgewachsener Leuchtturm mitten in Köln? Keine Hallu, sondern der ehemalige Leuchtmittel-Testturm der Firma Helios. Kleiner Tipp für Köln-Newbies: wo er steht, ist die Party nicht weit!
Zentralmoschee 1Prägend: Die Zentralmoschee an der Inneren Kanalstraße ist ein markanter Bezugspunkt in Ehrenfelds Skyline. Zunächst umstritten, hoffen alle Beteiligten heute vor allem auf die baldige Fertigstellung des eindrucksvollen Sakralbaus.
Colonius 3Einen ham‘ wer noch: Von den zahlreichen Ehrenfelder Türmen ist Fernsehturm „Colonius“ der mit Abstand höchste. Übrigens auch höher als der D-dorfer Fernsehturm. Manko: seit 1994 kommt man nicht mehr rauf!

Fazit: „All you can eat“ gilt in Ehrenfeld nicht nur in kulinarischer Hinsicht. Spießbürger und Nerds, Katholiken und Muslime – es scheint, als können in Ehrenfeld alle und alles friedlich nebeneinander koexistieren. Der sprichwörtliche Preis für’s Hip-sein wurde in den letzten Jahren allerdings immer höher: Für Normalverdiener ist Ehrenfeld als Wohnort unerschwinglich geworden.

Alle Fotos stammen vom Autor

Musik aus Fort VI: When the Stars go blue

Kölns Grüngürtel rund um den Decksteiner Weiher versorgt die Einwohner der rheinischen Metropole nicht nur mit frischer Luft:

InnocentisAufmerksame Spaziergänger können auf dem Gelände der ehemaligen Befestigungsanlage Fort VI gelegentlich Klängen lauschen, die nichts mit Vogelgezwitscher zu tun haben. Als kleine Kostprobe hier Ryan Adams‘ Titel „When the Stars go blue“ in einer Version des Trios „The Innocent“. Viel Spaß beim Zuhören! (ausführlicher Bericht folgt in Kürze…)

Bäume und Blech: vom Unicenter zum Klettenbergpark

Es ist ein ungewöhnlich sonniger und milder 1. November, und ich sitze in der Bahn Richtung Ehrenfeld. Eine Kamera und einige  brauchbare Motivideen habe ich im Gepäck. Was fehlt, ist mein KVB-Monatsticket. Um in der Folge möglichen Kalamitäten aus dem Weg zu gehen, steige ich aus und widme meine Aufmerksamkeit und diesen Beitrag spontan dem an der Strecke liegenden Klettenberg.

P1010317ASky blue: Das Uni-Center an der Luxemburger Straße legt einen mächtigen Schatten auf die umliegenden Stadtteile. Kaum zu glauben, dass es in direkter Nachbarschaft ein echtes Wasserschloss zu bestaunen gibt.
P1010322AKontrast: Eingebettet in eine veritable Grünanlage bildet das in privatem Besitz befindliche Weisshaus den Gegenpol zum Betonberg auf der anderen Straßenseite. Leider ist das Anwesen nicht öffentlich zugänglich.
P1010336ATin Lizzy: In Ermangelung intelligenterer Lösungen werden Kölns schönste Alleen oberirdisch mit mehr oder weniger hochwertigem Blech zugestellt,  wobei der Charme des Viertels letztlich auf der Strecke bleibt.
P1010347AGrünanlage: Kleingärten bestimmen das Bild beiderseits der Bahntrasse, die Zollstock von  Klettenberg trennt. Wer hier einmal Essbares ernten möchte, sollte sich rechtzeitig in die Warteliste eintragen.P1010381A
Na bitte: 
Parken geht doch auch anders! Diese „Göttin“ hat ihre letzte Ruhestätte in der Einfahrt eines Reihenhauses gefunden.  Vielleicht radeln die Besitzer der französischen  Diva ja lieber…P1010390A
Ziemlich idyllisch:
Aufgeräumt und mit frisch biotopisiertem Gewässer ist der kleine, aber feine Klettenbergpark Zeuge  einer Idee Vorstädtischen Wohnens und -Lebens zu Anfang des 20. Jahrhunderts.

Fazit:
Klettenberg, gelegen zwischen der Familienpackung Sülz und dem eher bodenständigen Zollstock, reflektiert vor allem aufgrund seines alten und gepflegten Bau(m)bestandes die Wohlsituiertheit seiner Bewohner. Damit das Ganze  im Auge des Betrachters nicht allzu überheblich wirkt, sorgen tausende Blechkarossen für einen  ungewollten, aber effektiven Verdeckungseffekt.

Alle Fotos stammen vom Autor